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40 Jahre Ju-Jutsu in Bad Staffelstein: Lehrgang mit Tipps von Großmeistern

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Bad Staffelstein. Jeder erfolgreiche Weg beginnt mit einem ersten Schritt. Genauso verhielt es sich auch anno 1980, als Dr. Franz Geißler den Ju-Jutsu-Sport nach Bad Staffelstein brachte und zusammen mit dem heutigen Abteilungsleiter Bernd Voigt den Grundstein legte für die bekanntermaßen erfreuliche Entwicklung. Eine Entwicklung, die mit einem hochkarätigen Jubliäums-Lehrgang zu 40 Jahre Ju-Jutsu in Bad Staffelstein gefeiert wurde.

Welches Renommee die Ju-Jutsu-Abteilung des TSV heute genießt, wurde deutlich, als der TSV gelungen als Ausrichter eines Landeslehrgangs mit fast 90 Athleten fungierte. Eine Reihe namhafter Ju-Jutsu-Urgesteine gab sich die Ehre - und völlig unkompliziert.

Mit Handschlag begrüßte Ju-Jutsu-Bundestrainer Roland Köhler in der Adam-Riese-Halle TSV-Abteilungsleiter Bernd Voigt. Man kennt sich natürlich als langjährige Weggefährten. Aber auch den Athleten, die sich zu dem Lehrgang angemeldet hatten, wirft er ein fröhliches „Hallo“ entgegen. Die Freude am Ju-Jutsu-Sport eint alle.

Diese unverkrampfte Art ist nicht nur dem Bundestrainer eigen. Trotz ihres Stellenwerts sind auch die weiteren Ju-Jutsu-Größen, die für den Lehrgang gewonnen werden konnten, bodenständig geblieben, so wie Duo-Landestrainer Vinzenz Oschmann oder auch JJVB-Präsidentin Eva Straub. Bad Staffelstein kennt sie nicht erst seit gestern. Emotional blickte sie zurück auf eine sportliche Veranstaltung zum seinerzeit „Zehnjährigen“ der Ju-Jutsu-Abteilung des TSV: „Ich habe es damals sehr bedauert, nicht als Aktive daran teilnehmen zu können, weil ich gerade schwanger war“.

Weiter ging es in der kurzen Gesprächsrunde, die anlässlich der historischen Rückschau zum 40-jährigen Bestehen der Abteilung dem Lehrgang vorausging, mit Bernd Voigt. Der Abteilungsleiter gab sich bescheiden, freute sich über das Wiedersehen und dankte allen Trainern, Übungsleitern und sonstigen Mitwirkenden, die alle ihren Teil zur positiven Entwicklung der Abteilung bis heute beigetragen hätten. Aktuell hob er, ohne die Verdienste aller weiteren im Verein ehrenamtlich Tätigen schmälern zu wollen, die mit viel Herzblut agierende stellvertretende Abteilungsleiterin Karola Forkel hervor.

Mit den überleitenden Worten „Ohne ihn würde es unsere Abteilung vermutlich gar nicht geben“, reichte Voigt dann das Mikro weiter an den Mann, der beim 40-jährigen nicht fehlen durfte, den „Vater“ des Ju-Jutsu-Sports in Bad Staffelstein: Dr. Franz Geißler. Dieser war einst aus Norddeutschland nach Franken gezogen, arbeitete in Kutzenberg als Assistenzarzt der Orthopädie. Er und Voigt waren zusammen dann etliche Jahre in der medizinischen Betreuung für den JJVB tätig. Es fanden sich schließlich, wie Geißler rückblickend schilderte, genügend Mitstreiter und am Ju-Jutsu interessierte Athleten, die die sich nun bietende Gelegenheit nutzten, in Staffelstein dem Ju-Jutsu-Sport frönen und hierfür trainieren zu können. Im Laufe der Zeit wurden die Ergebnisse der TSV-Ju-Jutsuka immer besser bis hin zu den internationalen Erfolgen einer Carina Neupert oder jüngst der Duoka Lukas Lorber und Michelle Vetter.

Zweiter Bürgermeister Hans Josef Stich hob in seinen Worten die gesellschaftliche Bedeutung der gar nicht mehr wegzudenkenden Ju-Jutsu-Sparte des TSV hervor. Zum einen spiegele sich die gute Arbeit der Abteilung in der Tatsache, dass die Bad Staffelsteiner Ju-Jutsuka stets stark vertreten seien bei der jährlichen Sportlerehrung durch die Stadt. Doch genauso wichtig sei von den Ergebnissen abgesehen der von der Abteilung gelebte Breitensportcharakter, die Möglichkeit der sportlichen Betätigung für die verschiedenen Generationen. Den guten Wünschen für die weitere Entwicklung der Ju-Jutsu-Abteilung schloss sich am Wochenende auch TSV-Vorsitzender Wolfgang Klecker an.

Damit war dem rückblickenden Aspekt der Veranstaltung in bester Atmosphäre Rechnung getragen, nun war die Praxis angesagt. Zum Einstieg absolvierten die Teilnehmer unter der Leitung von Duo-Landestrainer Mike Blatt vom TSV Staffelstein ein paar einleitende Übungen. Bereits diese forderten den ganzen Körper. Abteilungsleiter Bernd Voigt machte fröhlich mit - und bewies, dass er zwar rein optisch im Vergleich zu den Anfangszeiten der Abteilung ergraut ist, aber von seiner Beweglichkeit und Spannkraft anscheinend nichts eingebüßt hat.

Köhler, Oschmann, Geißler und Voigt leben mit jeder Faser ihres Seins den Ju-Jutsu-Sport vor, leiteten aus ihrem reichen Erfahrungsschutz in diesem Sportmetier heraus nun im weiteren Verlauf die verschiedenen Übungseinheiten des Landeslehrgangs. Themen beim Lehrgang waren etwa Halte- und Befreiungstechniken, Armhebel- und Hebelwurftechniken oder die direkte schnelle Verteidigung. Schnelligkeit, Vorausahnen potentieller Angriffsmethoden des Gegenüber und Daraufabstellen der eigenen Körperhaltung und Abwehr und manche andere Faktoren kommen hier zum Tragen, anschaulich und technisch sauber ausgeführt zeigten die versierten Ju-Jutsu-Kenner den Teilnehmern die Abläufe, die diese dann selbständig untereinander übten. Wer den erfahrenen Leitern lauscht und ihre Tipps beherzigt, kann die Ratschläge irgendwann auch umsetzen: im Sport und im hoffentlich nicht eintretenden Ernstfall im Alltag, wenn es gilt, sich gegen böswillige Angreifer zur Wehr zu setzen. „Der Japaner sagt nicht umsonst: Der Körper ist die dritte Hand“, meinte etwa Bernd Voigt einmal bei einer Übung, um darzulegen, dass es nicht nur auf die Bewegung der Arme und Hände ankommt, sondern das Ganze im Gesamtkontext zur insgesamten Körperhaltung umzusetzen gilt.

Im Gespräch am Rande der Veranstaltung weist Geißler auf einen wichtigen Aspekt hin, der im Zusammenhang mit den Teilnehmern vermittelten wertvollen Eindrücken und Aha-Effekten nicht unerwähnt bleiben darf und unter dessen Prämisse so ein Lehrgang gewinnbringenden Charakter einnimmt: „Die Bewegungsabläufe müssen freilich mit der Zeit auch erst automatisiert werden.“ Heißt quasi: Lehrgänge wie diese können den Athleten zwar den Weg weisen, gehen müssen sie diesen aber über stetiges Trainieren und Einstudieren selbst.

Aktiv, beherzt und dennoch sanften Charakters, so lässt sich Ju-Jutsu beschreiben. Nur bei unmenschlichem Gebrauch außerhalb des Sports sind diese Attribute Gegensatz. Im Ju-Jutsu sind sie eine Einheit, getragen von Respekt. An diesem Lehrgang war der „Geist“ des Ju-Jutsu spür- und erlebbar.

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Mario Deller / Fotos: Holger Heubeck