Handlungsfähig bleiben: Trainerlehrgang zur Selbstverteidigung

Herzogenaurach. Was weiß ich selber über Selbstverteidigung (SV)? Wie bringe ich anderen bei, wie sich in SV-Situationen verhalten sollen? Und wie soll das alles in ein Wochenende passen? Das waren meine Fragen vor dem zweitägigen Trainerlehrgang zur Selbstverteidigung mit Mike Lenzer und Sepp Sträußl in Herzogenaurach.

Aber eins nach dem anderen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es gleich mit der ersten Theorieeinheit los. Verstehen von Gewalt, dass man sie nicht ändern kann, sondern sie so nehmen muss, wie sie ist, und trotzdem handeln muss. Dazu sollte man die richtige Einstellung, die richtige Taktik und Fähigkeiten haben. Dann kann man (vielleicht) mit der richtigen Ausrüstung und einer ordentlichen Portion Glück mit heiler Haut davonkommen … puhh … klingt – ja … puhh.

Am Anfang steht die Wahrnehmung
Allen voran steht die Wahrnehmung, nicht nur von sich selber und dem Gegenüber, sondern auch von der Umgebung, um nicht völlig überrascht zu werden. Abhängig vom Stresslevel kann diese Wahrnehmung sehr eingeschränkt sein und der Fokus nur in eine Richtung, auf eine Sache gehen.

Nach der Mittagspause gingen wir in die Halle, um unsere Wahrnehmung zu prüfen. In vielen unterschiedlichen, spielerischen Übungen nach dem Baukastensystem (leicht bis anspruchsvoll) wurde das Stresslevel immer weiter angehoben. Bei voller Konzentration und Fokussierung auf die Übungen kam es schon mal vor, dass wir Mike oder Sepp ins »offene (Gummi-) Messer« gelaufen sind … na super und was jetzt?

Genau hier haben uns Mike und Sepp abgeholt und uns stufenweise gezeigt, wie man die Wahrnehmung immer wieder erweitert und die Situation bewertet.

Soweit so gut, aber was tue ich nun als »lieber« Mensch, wenn ich das alles wahrgenommen hab?

Eskalation erkennen und entsprechend reagieren
Die Stufe der Eskalation erkennen und entsprechende Reaktionen zu zeigen, war Thema des zweiten Teils der Praxiseinheit. Dass es nicht die eine »ultimative Technik« für jede Situation gibt, ist schade. Deswegen braucht es eben ein Repertoire an Auswahlreaktionen, damit man überhaupt etwas tut und sei es nur zu schreien, um nicht in eine Schockstarre zu verfallen. Auch dies haben wir wieder stufenweise trainiert. Gegenreaktion starten, nicht nur verteidigen, war das Credo.

Um die Angriffe realistischer zu gestalten, mussten 0,5L Plastikwasserflaschen herhalten. Denn keiner haut oder sticht im Training mit Übungswaffen voll zu. Diese Plastikfalschen wurden dann schwungvoll und mit viel Spaß auf Seiten der Angreifer auf den Verteidiger eingestoßen, bis die Gegenreaktion kam … hihi …

Tag 2: Der Stresslevel steigt weiter an
Der zweite Tag startete mit vielen spielerischen Übungen in der Gruppe, um auch hier wieder bei schrittweise steigendem Stresslevel die Wahrnehmung zu schulen und Auswahlreaktionen zu provozieren. Also Wahrnehmen-Orientieren-Entscheiden/Auswählen-Agieren. Damit man, wenn man in einer Schleife zwischen Wahrnehmung und Orientierung gefangen ist, auch mal einen Schrei loslassen oder einen Schritt zurücktreten kann, um die Situation von einer anderen Perspektive zu beurteilen. Wichtig! Handlungsfähig bleiben.

Abschließend gab es noch eine kurze Theorieeinheit zur Wiederholung und zu rechtliche Fragen bezüglich Notwehr/Nothilfe.

Und schon waren die eineinhalb Tage auch schon wieder vorbei.

Fazit: Viel Spaß, keine Verletzungen und jede Menge Anregungen fürs Training und den Alltag. Absolut empfehlenswert!!

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Bericht: Mareen Menges / Fotos: Holger Heubeck