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Kursleiterlizenz
Frauen-SV - wehrhaft sein
Nürnberg – Zur „Kursleiterausbildung Frauen-SV und
Sicherheit“ fanden sich in Nürnberg im Post SV knapp 20 TeilnehmerInnen ein
(2/3 Männer, 1/3 Frauen, 1 Baby), fast ausschließlich Ju-Jutsu-Kämpfer neben
einem Taekwondo-Exot. Die 20-stündige Veranstaltung (25 UE) des Bayerischen
Ju-Jutsu-Verbandes wurde vom Frauenreferat ausgerichtet, unter Leitung von
Andrea Ordner und Tanja Dietz-Röding, ging von Freitag (15.00 Uhr) bis Sonntag
(16.00) und mündete in eine 3-stündige Abschlussprüfung, welche alle
TeilnehmerInnen erfolgreich bestanden.
Voller Spannung starteten wir am Freitagnachmittag mit
Andrea in den Kurs, und nach Aushändigung des 30 Punkte umfassenden
Stundenplans war jedem schnell klar, dass ein strammes Programm vor uns lag. Aus
den geäußerten Erwartungen an den Kurs kristallisierte sich heraus, dass die
TeilnehmerInnen hauptsächlich auf der Suche waren nach methodischem
Handwerkszeug, wie man so einen SV-Kurs „aufzieht“. Und so wurden bereits
jetzt die Prüfungsthemen für Sonntag vergeben, wo in Gruppenarbeit 4
verschiedene SV-Kurse (Schnupperkurs, Wochenend-Blockkurs, mehrwöchiger
Abendkurs etc.) zu entwerfen waren.
Auf dem Freitagsprogramm standen: Kennenlernspiel,
Gewaltbarometer, die 3 Säulen, Vitalpunkte, die Waffen der Frau, Kampfstellung
und Deckung, passive Abwehr, Fallschule, Bodenkampf, Willensschulung. Als sehr
wichtige Präventionsmaßnahme soll den Frauen vermittelt werden, auf ihr
„Bauchgefühl“ zu achten und dieses auch ernst zu nehmen. Den Tagesabschluss
bildeten Spiele zur Willensschulung wie T-Shirt-Klau, Geburtskanal oder Fridolin
auf der Matte. Wichtigste Erkenntnis daraus für SV-Kurse ist, dass jeder
Teilnehmer jederzeit aus Angst oder Panik abbrechen darf!, betonte Andrea.
Unsere Begeisterung für diese Gruppenübungen drückte Andrea vorsichtig so
aus: „I glab, ihr megts Rollenspiele!“ – Ja, wir lieben sie.
Der Samstag begann mit: Hundeabwehr, unseren „geliebten“
Rollenspielen (Bushaltestelle, Gasse-Spalier, Straßenbahn) sowie Täterprofil.
Der Einsatz von Waffen ist eher abzulehnen, der Einsatz von Hilfsmitteln wie
Alltagsgegenstände jedoch wird grundsätzlich befürwortet. Mit Tanja wurde nun
die 2.Säule, die Selbstbehauptung, behandelt. Der Einsatz von Körpersprache,
Stimme und Sprachverhalten wurde wieder in zahlreichen, supertollen
Rollenspielen geübt (Augenkontakt, Mimik, Theater spielen, Palme, Monster, 3-er
Gruppen schreien). Ziel ist, den Frauen zu vermitteln, wie sie NICHT der
Opferrolle entsprechen. Als 3.Säule standen nun realistische Angriffe auf dem
Programm, wobei nur wahrscheinliche Angriffsvarianten erfolgten und die zugehörige
Gegenwehr auf „Frauen-geeignet“ abgestimmt wurde. Grundsätzlich sollten
lieber weniger Techniken vermittelt werden, diese jedoch intuitiv schnell
abrufbar. Es folgten beeindruckende Übungen zu Wahrnehmung und Intuition
(„gute“ und „böse“ Gasse, augenlos Gruppe finden). Als Tagesabschluss
wurde mit Andrea die Planung eines SV-Kurses ausführlich besprochen.
Am Sonntag standen 4 TOPs an: Notwehr und Waffenrecht,
Rhetorik, Anforderungen an einen Kursleiter sowie Prüfung. Beim Thema Rhetorik
wurde der anfänglich befremdlich klingende Satz: „Ich bin ein Ruderboot!“
in erstaunlich phantasievolle Geschichten eingebaut. Ziel war es, den angehenden
Kursleitern zu vermitteln, wie es sich anfühlt, vor einer Gruppe zu referieren.
Als Letztes fand eine Prüfung jedes einzelnen Teilnehmers statt. Dazu musste
ein Thema aus dem zu Beginn entworfenen SV-Kurs in der ganzen Gruppe moderiert
werden. Wichtig ist, den Teilnehmern ein Lob auszusprechen. Juhu, geschafft.
Stolz nehmen wir die Lizenz entgegen. Vielen Dank an Andrea und Tanja, ihr ward
Spitze. Dank auch an unseren „Cateringservice“, der uns reichlich mit
Kaffee, Kuchen, Pizza etc. versorgt hat.

Richard Engelschall
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